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Immer wieder
wenn ich in meinem Tagebuch lese, das ich auf meinen
Missionsreisen geführt habe, kommt mir der Gedanke: Es müsste
doch eine spannende Lektüre sein, wenn man die Erfahrungen und
Erlebnisse, die Brüder auf Missionsreisen sammeln konnten, in
einem Buch veröffentlichen würde.
Jeder, der Missionsreisen
im Auftrag der Kirche unternommen hat, kann von besonderen
Erlebnissen berichten. Es wäre doch schade, wenn andere davon
nichts erfahren könnten. Dabei ist es gleichgültig, ob die
Missionsgebiete in Europa oder in anderen Kontinenten liegen.
Es sind dort Brüder tätig, um Menschen anzusprechen und sie für
die Neuapostolische Kirche zu gewinnen. Dabei gibt es Erlebnisse
auf der Glaubensebene aber auch viele Erfahrungen im Umgang mit
fremden Kulturen und Menschen.
Eigentlich könnte jeder ein
Buch schreiben über seine Missionsreisen, aber eventuell ist es
einfacher und spannender, wenn die unterschiedlichen Eindrücke
aus vielen verschiedenen Bereichen gesammelt veröffentlicht
werden.
Meine Bitte ist es, alle
die in dieser Arbeit tätig waren oder tätig sind, sich meinen
Vorschlag zu überlegen und sich bei Interesse mit mir in
Verbindung zu setzen.
Ich bin auf eure Reaktionen
und Antworten gespannt.
Helmut Winner
Am Alten Dorfteich 2158675 Hemer
Tel. 02372 964848
Fax 02372 964849
Email
hwinner@blickpunkt-nak.de
Zum Mutmachen
hier ein kleiner Auszug aus meinem Tagebuch.
Am Freitag um 18.00 Uhr
verabschiedete ich mich von meinem Begleiter und fuhr mit dem
örtlichen Priester Alexander und Slava, meinem Dolmetscher, zum
Flughafen. Wir waren rechtzeitig dort und guter Dinge, bis um
19.30 Uhr der Flug ohne weitere Begründung abgesagt wurde. Der
nächste Flug würde Sonntag oder Montag stattfinden. Nachdem ich
von meinem Flugpreis die meisten Rubel zurückbekommen hatte,
standen wir mit unserem Problem da.
Wie sollte man bis Samstagvormittag in das ca.
900 km entfernte Chita kommen? Es war doch bereits für Samstag
16.00 in einem Ort ca. 70 km von Chita entfernt ein Gottesdienst
angesagt.
Es blieb nur der
Trans-Sibirien-Express !
In der
Vorbereitung auf meine erste Missionsreise hatte ich viele
Warnungen erhalten, um auf keinen Fall mit dem Zug zu fahren. Auf
dem Weg zum Bahnhof erklärte mir Slava: „Es wird es
wahrscheinlich Schwierigkeiten geben; denn der einzige Schalter
an dem Ausländer eine Fahrkarte kaufen können ist bereits ab
17.00 geschlossen“. Fahrkarten konnte man nur gegen Vorlage des
Passes kaufen. Das galt auch für Russen. In der Bahnhofshalle
standen vor dem einzigen geöffneten Schalter ca. 30 Leute die
Fahrkarten oder Auskünfte haben wollten. Slava mogelte sich erst
einmal ganz nach vorne und sagte: „Ich habe meinen Pass
vergessen muss aber dringend nach Chita. Kann ich eine Fahrkarte
bekommen?“ Die Antwort der Beamtin hinter dem Schalter war kurz
und auch für mich verständlich „Njät“.
So standen wir nun
in der Schalterhalle und beratschlagten, wie dennoch für mich
eine Fahrkarte zu bekommen sei. Da stand plötzlich ein Burjate
neben uns, der wohl einen Teil der Unterhaltung zwischen meinen
Begleitern angehört hatte. Er sprach die Beiden an. Slava
dolmetschte und sagte zu mir: „Er will dir für 8000 Rubel und
auf Alexanders Pass eine Fahrkarte besorgen“. Ich blätterte ihm
die Rubel hin und er verschwand mit Alexander im Bahnhof. Es
dauerte keine 3 Minuten, da waren die beiden mit einer Fahrkarte
ausgestellt auf Alexanders Namen wieder da.
Der Burjate
erklärte mir: „Du kommst mit in mein Abteil. Wenn der Schaffner
kommt und die Fahrkarten einsammelt, hast du Zahnschmerzen. Ich
spreche dann für dich“. Mir war bei diesen Gedanken gar nicht
wohl und zu den vereinbarten Zahnschmerzen kamen nun auch noch
nicht vorgesehene Bauchschmerzen.
Slava erklärte:
„Wir werden versuchen den Schaffner zu bestechen, damit er dich
in Ruhe mitfahren lässt“. Auf meine Frage was kann denn im
schlimmsten Fall passieren sagte er mir ganz trocken: „Im
schlimmsten Falle hält der Zug an und du wirst auf der Strecke
rausgeworfen“. Als ich mir vorstellte mit meinem Gepäck bei 30°
Minus in der Taiga zu stehen, wollte ich doch lieber in Ulan-Ude
bleiben.
Viel Zeit zum
Überlegen blieb uns allerdings nicht, denn kurz darauf wurde
durchgesagt, dass der Zug eingefahren sei. Wir nahmen das Gepäck
- und das Schicksal seinen Lauf.
Es ging über die
Gleise auf den Bahnsteig und an dem langen Zug entlang. Jeder
Wagen des Zuges wurde mit einem dicken Wasserschlauch mit
frischem Wasser versorgt. Die Schläuche spritzen an allen Enden
und auch in der Mitte. Bei ca. -30 ° Celsius gefror das
Spritzwasser sofort zu spiegelglattem Eis. Da Eislaufen noch nie
meine Stärke war legte ich einen Teil des Weges auf dem
Hosenboden zurück. Endlich hatte unser Burjate seinen Wagen
gefunden. Slava und Alexander gingen gleich daran, den Schaffner
des Wagens günstig zu stimmen. Ich bugsierte in der Zeit mein
Gepäck in den Waggon.
Das Abteil,
welches mein burjatischer Freund gebucht hatte, war von innen
verschlossen so dass wir zunächst auf dem Gang stehen bleiben mussten.
Der Burjate klopfte an die Tür doch es rührte sich nichts.
Slava rief mich
vom Eingang des Wagens zu sich um mit dem Schaffner handelseinig
zu werden. Plötzlich ertönte von draußen ein Geschrei. Der
Schaffner rannte los, um seine Kohlenkiste zu holen. Als er
einige Schaufeln Kohlen in seiner Kiste hatte, die für die
nächste Nacht zum Heizen reichen mussten, konnten wir endlich
zum Geschäft kommen.
BP
2006-24-11
(hw)
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