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Anmerkungen zur Stellungnahme Ökumene

Die NAK international hat die redigierte Fassung der Aussagen des Stammapostels zum Thema Ökumene veröffentlicht. (Siehe auch Blick Punkt 05/2005 Seite 22) Zusammengefasst lauten diese Aussagen:

1. Die NAK muss ihre Zurückhaltung gegenüber anderen  christlichen Gemeinschaften aufgeben und das Gespräch suchen. 

2.  Ziel dieser Annäherung ist es, Missverständnisse abzubauen und ein Vertrauensverhältnis zu schaffen (ohne diese beiden Begriffe näher zu definieren) 

3. Unsere Glaubensgrundlagen (meint wahrscheinlich: alle in der NAK verkündeten und gelebten Überzeugungen) stehen nicht zur Disposition. 

4.  Ökumene wird i.S. der obigen Aussagen verstanden. 

5.  Ökumene ist ein Zweckbündnis in einer entchristlichten Umwelt. 

6.  Ökumene führt nicht zu gemeinsam gelebtem Christentum. 

Diese Aussagen verlangen nach einer näheren Betrachtung, um den Begriff der Ökumene im vom Stammapostel verstandenen Sinn verständlich zu machen. 

Vorbemerkung 

Das Brockhaus-Lexikon sagt zum Begriff Ökumene: 

[von griechisch oikouméne (ge) »die bewohnte (Erde)«, zu oikos »Haus«] die, christliche Kirchen: in der frühen Kirche in Anschluss an Matthäus 24,14 das weltweite christliche Missionsfeld; heute die Gesamtheit der christlichen Kirchen. 

Aus dieser sehr allgemeinen Definition entstand im 19. Jahrhundert in Kreisen christlicher Studenten eine ökumenische Bewegung, die mit Beginn des 20. Jahrhunderts, gefördert durch die internationale Missionsbewegung, einen weltweiten Durchbruch erlebte. Sie wurde bis nach dem zweiten Weltkrieg ausschließlich durch protestantische und anglikanische Kirchen getragen; seit 1950 schlossen sich auch orthodoxe und orientalische christliche Kirchen an. Mit den zweiten Vatikanischen Konzil (1962 – 1965) öffnete sich auch die römisch-katholische Kirche der Ökumene und begreift sich heute als Teil von ihr. Die ökumenische Bewegung wird ausdrücklich als vom Heiligen Geist inspiriert angesehen, um die dem Willen Jesu Christi entge-genstehende Spaltung des Christentums zu überwinden. Die Forderung der Wiederherstellung der christlichen Einheit durch Rückkehr zur katholischen Kirche wurde aufgegeben. 

Ökumene i.S. der Ökumenischen Bewegung meint also Streben nach Einheit aller Christen. Trotzdem ist auch dieser Weg verschiedenen Interpretationen ausgesetzt. Von keiner Kirche wird dabei die Forderung nach Zusammenlegung und Vereinheitlichung aller Lehren angestrebt. Die meistgebrauchte Definition ist die der „versöhnten Verschiedenheit“, die eine gegenseitige Anerkennung der durchgeführten Segenshandlungen und Sakramente sowie die gemeinsame Abhaltung von Gottesdiensten anstrebt. Die protestantischen Kirchen wollen dabei den Gläubigen aller Konfessionen den ungehinderten Zugang zu den Sakramenten aller christlichen Kirchen ermöglichen, die katholische Kirche lehnt dies wegen des unterschiedlichen Sakramentenverständnisses ab. 

Aus diesen Sachverhalten ergeben sich zu den oben zusammengefassten Ausführungen von Stammapostel Leber folgende Anmerkungen: 

Anmerkung zu 1: 

Die lange überfällige Zurückhaltung im Gespräch mit anderen Konfessionen, die regional übrigens schon seit längerer Zeit nicht mehr besteht, ist kein Thema der Ökumene, sondern gehört zum normalen zwischenmenschlichen, insbesondere aber zum christlichen, Miteinander. Es ist ja nicht so, als hätte die NAK nicht mit Gläubigen anderer Kirchen gesprochen, Das geschah allerdings in Form einer Einbahn-Kommunikation, durch Missionsgespräche, in denen dargestellt wurde, weshalb die NAK die einzig wahre Kirche sei und alle anderen Kirchen im Irrglauben verharrten. Damit wurde ihnen implizit und explizit ihr Christ sein abgesprochen. Diese Aktivitäten haben natürlich nicht dazu führen können, ein Vertrauensverhältnis zu schaffen. 

Anmerkung zu 2: 

In der Vergangenheit hat es diverse Ursachen von Missver-ständnissen gegeben, während der „Urzeit“ der apostolischen Bewegungen durch die Volkskirchen, während des zwanzigsten Jahrhunderts vorwiegend durch die NAK selbst hervorgerufen. Diese haben zu einer lang andauernden Sprachlosigkeit und Dialog-verweigerung geführt. 

Es scheint eine bescheiden realistische Sicht der Dinge zu sein, wenn der Stammapostel dazu auffordert, ein Vertrauensverhältnis erst einmal herzustellen – Ökumene ist das nicht. Gespräche mit anderen Konfessionen werden natürlich immer mit Diskussionen über Glaubensinhalte (der Gegenwart und der Vergangenheit!) verbunden sein. Es dürfte kaum realistisch sein zu erwarten, die Themen ausschließlich auf die Abhaltung von Konzerten und Ba­saren zu beschränken. Wenn Stammapostel Leber die Überzeugung äußert, dass Glaubensgrundlagen „dadurch nicht berührt“ würden, so erscheint das unrealistisch. Nichts liegt Theologen anderer Kirchen näher, als die neuapostolischen Glaubensgrundlagen zu diskutieren – die bisherigen Erfahrungen mit ökumenischen Arbeitskreisen zeigen es.  

Anmerkung zu 3: 

Des weiteren sollen Glaubensgrundlagen nicht „in Frage gestellt“ werden. Bei vernünftiger Betrachtung dieser Aussage kann es nicht darum gehen, Glaubensgrundlagen von anderen Gesprächspartnern in Frage stellen zu lassen. Der Stammapostel wollte hier wohl zum Ausdruck bringen, dass die NAK diese nicht auf dem Altar der Ökumene opfern will.  

Es ist das gute Recht jeder Kirche, ihre Glaubensgrundlagen für richtig, auch für allein richtig, zu halten und auch ihre Exklusivität zu vertreten!

Anmerkung zu 4:

Ökumene verlangt aber, selbst in engstmöglich verstandenem Sinn, mehr. Es ist die ernsthafte und objektive Auseinandersetzung mit Lehrinhalten der anderen Kirchen und deren Begründung, und zwar, bei ehrlichem Vorgehen, ergebnisoffen. Hier hat die NAK ein zur Zeit unüberwindliches Hindernis vor sich. Ökumene verlangt, alle Lehrinhalte an Hand der Evangelien zu überprüfen und solche Aussagen, die nicht eindeutig durch die Bibel gedeckt sind, als sekundäre Elemente der Glaubenslehre nicht zum Zentrum der Verkündigung zu machen.

Daran scheitert die römisch-katholische Kirche wegen ihrer Sonderlehren (z.B. Heiligenkult, Marienverehrung, Stellvertreterstatus des Papstes). Sie ist deshalb auch nicht Mitglied des Arbeitskreises christlicher Kirchen (ACK), der ökumenischen Vereinigung christlicher Kirchen und Glaubensgemeinschaften in Deutschland. 

Daran muss auch die NAK scheitern, denn die dauernde Revision ihrer Aussagen an Hand der Evangelien ist ihr unbekannt, und dem „Apostelwort“ – und seinen diversen Wiedergabevariationen – wird faktisch Absolutheitsanspruch eingeräumt, der sich jeder Über-prüfbarkeit entzieht. Sicher sind auch Apostel bis in die jüngste Zeit hinein schon der falschen Lehre überführt und aus ihrer Lehrtätigkeit entfernt worden, aber nicht auf Grund des Zeugnisses der Bibel sondern auf Grund eines Gegensatzes zum Stammapostel bzw. der Apostelversammlung. 

Anmerkung zu 5:

Es ist unübersehbar, dass die christlichen Wurzeln des Abendlandes absterben. Letzthin war zu lesen, dass Jahr für Jahr ca. 1200 Menschen, meistens Frauen, zum Islam übertreten. Viel viel mehr Menschen aber finden zu Gott überhaupt keine Beziehung mehr. Ein Großteil der heutigen Elterngeneration ist nicht in der Lage, ihren Kindern die elementarsten Grundlagen des Chris­tentums zu vermitteln. Hier ist nicht der Raum, die Ursachen zu erforschen; es ist aber Tatsache, dass gläubige und ihren Glauben lebende Christen heute in Europa eine Minderheit sind. Insofern ist der auch von anderen Konfessionen geäußerte Gedanke nahe liegend, sich zu einem Trutz- und Zweckbündnis zusammenzuschließen. 

Ein solches Bündnis kann seinen Sinn aber nur dann erfüllen, wenn

-        alle sich gegenseitig als gleich wertvoll und gleich unverzichtbar betrachten,

-   alle ihre eigene Situation schonungslos und realistisch analysieren,

-      alle sich auf dieser Ebene Gedanken darüber machen, wo sie selbst gefehlt haben,

-       alle sich auf ein gemeinsames Vorgehen für die Zukunft einigen, statt sich gegenseitig die wenigen Gläubigen abspenstig zu machen. 

Wenn die NAK meint, unter dem Schutzmantel der Ökumene „in ihrem  ureigensten Interesse“ handeln zu können, sozusagen die anderen Gemeinschaften vorzuschicken, das Christentum wiederzubeleben, um dann anschließend genügend Seelenmaterial zur Missionierung vorzufinden, wird sie zur weiteren Aushöhlung der Einheit der Christen beitragen – wenn sie denn jemals bedeutend genug dazu werden kann, um nachhaltigen Schaden zu verursachen.

Anmerkung zu 6: 

Hier entlarvt sich der vorgebliche Ökumenegedanke schlussendlich. Ohne jede Begründung wird allen anderen Konfessionen die Berechtigung abgesprochen, in Gottesdiensten der NAK Predigten und Segenshandlungen (es geht nicht einmal um Sakramente!) durchzuführen. Es könnte gute Gründe geben, obwohl nicht einmal die römisch-katholische Kirche diese Rigorosität an den Tag legt. Was aber könnten solche Gründe sein? Hier lässt uns die Kirche allein mit ihrer Aussage, Ökumene zu wollen, aber nicht zuzulassen. Dem fragenden Gläubigen drängt sich der Eindruck auf, dass die NAK nach wie vor andere Konfessionen als Einrichtungen zweiter Klasse betrachtet und sich der Ökumene nähern will, weil sie wohl von deren Vorteilen profitieren möchte, nicht aber ein brüderliches Miteinander anstrebt.

BP 2005-12-22 (Manfred Rüngs)

 

 

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