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 Studientag in Halle - ein aufschlussreiches Event

Am 25.06.2005 fand in der Frankeschen Stiftung in Halle ein Studientag unter dem Motto "Das Selbstverständnis apostolischer Kirchen und Gemeinschaften als Kirche Jesu Christi" statt. Die Moderation leitete der Religionswissenschaftler Professor Dr. Helmut Obst. Gastredner waren Dr. Andreas Finke, Dr. Andreas Schröter, von der evangelischen Kirche sowie Herr Hähnel von der katholisch-apostolischen Gemeinde, Apostel Volker Kühnle, NAK, Prophet Richter, Apostelamt Jesu Christi, Apostel Matschenz, Apostelamt Juda und Apostel Lieberth Apostolische Gemeinschaft.

Das Selbstverständnis apostolischer Kirchen und Gemeinschaften als Kirche Jesu Christi 

Prof. Dr. Helmut Obst

Jesus Christus machte mit seinem Wirken den Weg frei für eine Ökumenische Bewegung. Er schloss keinen aus, sondern war für alle Menschen da, ohne nach der Herkunft oder nach dem Denken der Menschen zu fragen. Man muss auch bereit sein für die Wahrheit zu kämpfen. Niemand kann von sich sagen, dass er die vollständige Wahrheit weiß sondern er muss anerkennen, dass auch andere einen Teil der vollkommenen Wahrheit wissen. Das Ziel muss sein die Versachlichung des Miteinanders in der Apostolischen Familie zu erreichen. Die ungewollten Kinder und Enkelkinder in der apostolischen Familie, die in besonderen Situationen unter manchmal schmerzhaften Geburtswehen entstanden sind, sollten versuchen die Geschichte ihres großen Streites zu beenden. Dieser Tag soll ein Tag des Kennenlernens sein und kein Tag der Auseinandersetzung. Nach dem Motto: „Wie bringen wir den Kopf ins Herz?“ 

Dr. Andreas Finke

Das heutige Erscheinungsbild apostolischer Kirchen und Gemeinschaften aus der Außenperspektive.

Er wies zunächst auf die Evangelien des Neuen Testamentes hin und sagte, dass nur in 2 Evangelien der Begriff Apostel häufiger verwendet wird. In einem Evangelium wird nur einmal de Begriff Apostel erwähnt und in einem überhaupt nicht. Die christliche Kirche kennt das Amt über einen Zeitraum von 1700 Jahren nicht. Wenn man die Zeit seit der Wiedererweckung des Apostelamtes aus der Außenperspektive betrachtet, kann man eine große Uneinigkeit unter den apostolischen Kirchen und Gemeinschaften feststellen. Die apostolischen Gemeinschaften verstehen sich oft als Familie; das kommt auch in der Bezeichnung der neuapostolischen Zeitung „Unsere Familie“ zum Ausdruck. In der „Familie“ habe vor längerer Zeit mal der Satz gestanden: „Die Jüngsten unter uns denken wie die Ältesten.“ Eine Familie bringt dem Einzelnen eine große Nähe. Diese Nähe kann als wohltuend, aber auch von einigen als  bedrückend empfunden werden. Große Nähe bringt daher manchmal auch viel Konfliktpotential. Es gehört auch immer eine gesunde Kritik zu christlichen und institutionellen Kirchen. Es gibt zurzeit weltweit ca. 120-130 apostolische Gemeinschaften und Kirchen. Als positiv hob er die Versöhnungsbereitschaft der NAK Schweiz und der ACN Schweiz hervor und gab der Hoffnung Ausdruck, dass es auch in Deutschland zu einem solchen Schritt kommen sollte. Dann ging er auf die Wandlung des Sektenbegriffs ein und sagte: „….heute ist verbindliche Religiosität  und Glaubenspraxis in den Augen der Öffentlichkeit ein Merkmal für Sekten. Daher sitzen wir alle in einem Boot, zumal wenn man weiß, dass zum Beispiel nur 15 % der Einwohner der Stadt Halle Christen sind.“ Daher ist Ökumene für Christen unter dem Begriff „Versöhnte Verschiedenheit“ in der heutigen Zeit besonders wichtig. Das sei wie in einer guten Nachbarschaft, jeder ist anders aber alle ergänzen sich hervorragend. Die NAK habe in den vergangenen 10-15 Jahren viele Veränderungen in ihre Kirche gebracht und Schritte in die richtige Richtung getan. Er ging auch noch kurz auf die Aussagen von Apostel Seepers ein, der das Apostelamt als nicht unbedingt heilsnotwendig eingestuft habe.  

Dr. Andreas Schröter

Einführung in Geschichte und Theologie der katholisch-apostolischen Gemeinden

Die apostolische Bewegung war ein Kind des 19. Jahrhunderts. Die Menschen suchten die Erfahrung des Heiligen Geistes und beteten darum mit großem Ernst und in einer einmaligen ökumenischen Tiefe. Die Apostel waren keine andere Art von Bischof oder Pfarrer sondern wollten eine Einheit aller Christen und eine Kirche Jesu Christi schaffen. Nach ihrer Rufung und Aussonderung zogen sie sich für ca. 3 Jahre zu einer inneren Erneuerung zurück nach Albury. Nach dieser Klausur zogen sie dann in missionarischem Auftrag in ihre weltweiten Arbeitsgebiete aus, um den Menschen die Kirche Jesu Christi nahe zu bringen. Sie wollten keine eigene Kirche schaffen sondern lebten in vollkommener Weise ökumenisch, obwohl es diesen Begriff noch gar nicht gab. Das Amt des Apostels stand für die ganze Kirche Jesu Christi. Als im Jahre 1901 der letzte Apostel starb, bestanden 938 Gemeinden mit ca. 200000 Mitgliedern. Dabei war eine Doppelmitgliedschaft normal; das heißt es waren Menschen z.B. evangelischer Pfarrer und gleichzeitig in der katholisch-apostolischen Gemeinde als Diakon tätig. Die katholisch-apostolische Kirche kannte keine Exklusivität. Das Sterben der Gemeinden wurde mit dem Gleichnis vom Weizenkorn verglichen und es sollte viel Frucht bringen. Sie sehe das als Zeit der Prüfung an und es werde die Zeit kommen, in der Gott wieder in apostolischer Weise tätig sei.

Sie lebten ökumenisch, predigten und glaubten an die baldige Wiederkunft Christi. Mit innigem Gebet suchten sie die göttliche Wahrheit und waren sich bewusst, dass niemand die ganze Wahrheit für sich habe. Der berühmte Theologe Dr. Thiersch, der eine herausragende Rolle in der katholisch-apostolischen Gemeinde spielte, ging selbstverständlich auch immer wieder in Gottesdienste anderer christlicher Kirchen. Er sagte: Man muss immer wieder die Kirche als Gotteshaus entdecken und kann nur staunen, was Gott auch in anderen Kirchen tut. Eine Bewertung anderer christlicher Kirchen oder gar eine Abwertung kam ihm nicht in den Sinn.

Die katholisch-apostolischen Christen erwarteten die baldige Wiederkunft Jesu Christi. Diese Erwartung war stark, aber es wurde niemand ausgegrenzt, der nicht eine solche starke Erwartung hatte. Der Punkt „Botschaft von Stammapostel Bischoff“ müsse bereinigt werden. Schon Apostel Carlyl habe bekannt, das er sich geirrt habe. Er zeigte das 4 fache Amt auf, Apostel, Propheten, Hirten und Lehrer. Er weist auf eine Textstelle im Korintherbrief hin in der es heißt, „niemand kann Jesus den Herrn nennen, der den Heiligen Geist nicht besitzt.“  

Herr Hähnel Mitglied der katholisch-apostolischen Gemeinde

Gott hat das Muster der Einheit aller Christen zum Leibe Christi zurückgestellt. Er wies auf die Antrittsrede von Papst Benedikt XVI. hin der darin gesagt habe, alle im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geists getauften zählen zur Familie der Heiligen. Er bestätigte die, von Dr. Schröter schon gemachte Aussage, dass alle Mitglieder der katholisch-apostolischen Gemeinde auch in anderen christlichen Kirchen und Gemeinden Mitglieder seien. Er wies auf 4 besondere Gebete hin, die am Tag vor Pfingsten jeweils gesprochen werden.

Apostel Volker Kühnle NAK

Zu Begin seines Vortrages sagte er, dass unser Wissen nur Stückwerk sei und wir manches nur so erkennen, wie man es in einem undeutlichen verzerrten Spiegel sehe. Er wies dann auf die geschichtliche Entwicklung der Neuapostolischen Kirche hin und sagte: „…wo Apostel sind ist die Kirche Jesu Christi, wo keine Apostel sind fehlt entscheidendes.“ Es sei unmöglich und unangebracht das Kommen Jesu vorherzusagen. Er stellte die Frage: „…sind denn alle anderen verloren?“ und gab die klare Antwort: „Nein!“ Er sagte aber auch klar und kompromisslos, dass Apostel nur die seien, die dem Stammapostel nachfolgen würden. 

Prophet Richter Apostelamt Jesu Christi 

Menschen die Gott suchen. werden ihn auch finden. Das Apostelamt Jesu Christi glaubt nicht, dass Jesus wiederkomme, denn er sei bereits da und wirke durch Menschen die Gemeinschaft. Wir sind die Glieder und Jesus ist das Haupt. Es gibt in Deutschland 7 Apostel in den unterschiedlichen Regionen. Es sind kürzlich Verhandlungen über einen Zusammenschluss mit der altapostolischen Kirche Südafrikas zum Abschluss gekommen. Man habe einen gemeinsamen Weg über Amt und Sakrament vereinbart. 

Apostel Matschenz Apostelamt Juda 

Gott ist die ewige Lebenskraft die alles besitzt. Diese Macht lässt uns Gutes und Böses zuteil werden. 1902 erschien Jesus Christus wieder und wirkt seitdem im Amt des Apostels. Der Apostel ist der Mittler zwischen den Menschen und der Ewigkeit. Durch die Versiegelung wird der Mensch mit der Ewigkeit verbunden. Bereits hier im Leben baue der Mensch seine Ewigkeit auf.

Apostel Lieberth Apostolische Gemeinschaft 

Apostel Lieberth begann mit einem Zitat von August Hermann Franke in dem es sinngemäß heißt: „Werde nicht müde dein Gewissen zu prüfen“. Er verglich die Christenheit mit einem schönen Obstkuchen der aus vielen kleinen und unterschiedlichen Teilen besteht aber nur alle zusammen ergeben diesen schönen Kuchen. So sind alle Kirchen und Gemeinschaften der Christenheit ein Teilchen dieses Kuchens. Die VAG Apostel haben alle Teile ihrer Lehre und ihres Glaubens auf Konformität mit der Bibel geprüft. Er sagte: „Wir haben uns mal neben uns gestellt und die Festplatte in unserem Kopf gelöscht und sind völlig neu angefangen.“ Nach genauem Bibelstudium seien ihnen Fehlentwicklungen klar geworden und sie hätten den Kurs ihrer Kirche geändert und immer neu bestimmt. Heute regiere Christus in seinem Geist die Kirche und nicht mehr die Apostel. Ihnen sei klar geworden, dass aus dem „Amt“ eines Apostels der „Dienst“ eines Apostels werden müsse. Die VAG sei in der ökumenischen Bewegung sehr aktiv und nimmt an verschieden Arbeitskreisen teil. Es geht soweit, dass auch ein „Kanzeltausch“ mit anderen Kirchen zustande gekommen ist. Da haben dann evangelische Christen gesagt: „…. die predigen ja ein richtiges Evangelium.“ Auch ein gemeinsamer Chor mit der Freien evangelischen Gemeinde wurde ins Leben gerufen und singt zur Freude aller einmal in der VAG und einmal in der FEG. Apostel Lieberth erhielt für seine Ausführungen einen frenetischen Applaus. Das ist umso bemerkenswerter wenn man berücksichtigt, dass fast 90 % der Anwesenden NAK Mitglieder waren. 

Prof. Dr. Helmut Obst 

Was ist Kirche? 

Er stellte die Frage ob die ca. 2 Milliarden Christen auf dieser Erde zur Kirche Jesu Christi gehören. Er sagte, dass jeder Versuch der Exklusivität eine Fehleinschätzung sei und nicht im Sinne Jesu. Der theologische Ansatz der katholisch-apostolischen Kirche sei völlig ohne Exklusivität gewesen. Im Hinweis auf die zu Beginn erwähnte „Familie“  der apostolischen Kirchen und Gemeinschaften sagte er: „… aber oft genug wollen die Kinder klüger sein als die Eltern.“ 

In der anschließenden Podiumsdiskussion gab es Fragen zu den Themen Frauenordination, Botschaft des Stammapostels Bischoff, Katechismus der NAK, Internetforen, Meinungsverschiedenheiten unter den Aposteln, Versöhnung in Deutschland nach Schweizer Vorbild, Differenzen der Darstellung der NAK nach innen und außen, Totenversiegelung, wer erkennt wen von den anwesenden Aposteln als echten Apostel an, was muss ich tun um selig zu werden.

Die Antworten die zumeist von Apostel Kühnle gegeben wurden waren oft ausweichend und wenig präzise. Auf die Frage von  Professor Dr. Obst „Was muss ich tun um selig zu werden?“ kam die Antwort „Neuapostolisch werden!“. Eine Anerkennung der anderen Apostel am Tisch kam aus neuapostolischer Sicht nicht zustande, weil sie nicht in der Nachfolge des Stammapostels stünden. Dagegen erkannte Apostel Lieberth von der VAG sehr wohl die anderen als Apostel an.  

Es war ein hervorragender Tag, der sich auf jeden Fall gelohnt hat. Nach dem Erleben dieses Tages ist die Versuchung groß, seine geistige Heimat in der VAG zu suchen. 

Bp- 2005-06-26 (hw)

 

 

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