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 Gesprächskultur

Im letzten Jahrhundert haben wir in Europa lernen dürfen, dass mit offenen Gesprächen mehr zu erreichen ist als mit jeglicher Gewalt. Dieser Lernprozess musste mit dem Leben von Millionen Menschen bezahlt werden und brachte unendliches Leid. Wir haben gelernt, auch Menschen zu akzeptieren die anders leben, denken und handeln als wir. Nur im Gespräch miteinander finden wir eine gemeinsame Basis und ein besseres Verständnis. Das ist die Grundlage für ein verständnisvolles Miteinander.

Dazu brauchen wir eine Gesprächskultur in der wir alles ohne Emotionen und Vorwürfe mit dem Anderen besprechen können. Niemand käme auf den absurden Gedanken, nur das zu sagen was der Andere hören will. Es geht ja gerade darum auch die eigenen Gedanken, Empfindungen und Wünsche dem Nächsten bewusst zu machen. Die Erwartung, dass man deshalb nicht ausgegrenzt oder verurteilt wird ist legitim. Diese Gesprächskultur setzt sich bei friedlichen und verantwortungsvollen Mitmenschen immer mehr durch. Die Achtung des Nächsten ist wichtig. Sie darf aber nicht dazu führen die eigene Identität aufzugeben. Unverkrampft und locker sollten wir miteinander reden. Gestern wurde im ZDF ein 11 jähriger „Kinderreporter“ gezeigt der den Kanzler und die Kanzlerkandidatin interviewte. Es war köstlich mit welcher Unverkrampftheit dieser Junge seine Aufgabe meisterte. Mancher Journalist hätte da noch viel lernen können.

Und nun zur neuapostolischen Gesprächskultur.

Unwillkürlich werde ich an das Lied „Zu lernen bleibt noch unseren Seelen viel“ erinnert. In vielen Gemeinden und Bezirken gibt es im oben genannten Sinn keine Gesprächskultur. Da befinden wir uns manchmal noch im tiefsten Mittelalter. Die Obrigkeitshörigkeit und aufschauen ohne nachzudenken, wird gepredigt und gelebt. Wer wahrheitsgemäß offen sagt, dass ihm z.B. der Gottesdienst nichts gebracht hat, weil er das Wirken des Heiligen Geistes nicht erleben konnte, wird schräg angesehen, ausgegrenzt oder als Ungläubiger abgetan. Alles was nicht auf der "Linie" ist, wird bekämpft oder abgeschrieben. Das Ziel jedes Gespräches muss es sein die „schönen Gottesdienste“  und die „Vorangänger“ zu loben. Wichtig ist, in jedem Gottesdienst anwesend zu sein, nur dann hat man die Berechtigung mit zu reden.

Wenn Amtsbrüder und Geschwister Abstand zur Gemeinde suchen weil sie sich nicht verstanden fühlen, werden sie auch von den zuständigen Amtsträgern gemieden. Weil kein Kontakt gesucht wird, kommt auch kein Gespräch zustande. Fragen oder Probleme werden nicht angesprochen und Fehler werden nicht gefunden und können auch nicht behoben werden. Die Sprachlosigkeit die vielfach unter uns herrscht ist entscheidend für die Probleme mancher Gemeinden.

Ein weiteres Beispiel: Da sind Geschwister und Kinder, die sind nicht so wie wir uns sie vorstellen. Sie werden mit etwas Abstand betrachtet niemand sagt aber dazu was. Keiner will die Geschwister bewusst ausgrenzen aber sie passen nicht in unsere Welt. Die Geschwister empfinden doch, dass sie nicht willkommen sind und wenden sich als Folge davon, von der Gemeinde ab. Keiner ändert das, weil man nicht offen  darüber spricht und sich bewusst macht: Hier handele ich falsch und stoße durch mein Handeln andere ab.  

Für ein schwieriges Gespräch gibt es erfolgreiche Fragestellungen wie z.B. „Was habe ich falsch gemacht? Was sollte ich, deiner Meinung nach, besser oder anders machen?“ Wenn diese Fragen dann noch aus ehrlichem Herzen kommen und mit dem Bemühen gepaart sind dem Anderen zu helfen und ihn  zu verstehen, dann kommt man dem Miteinander schon einen großen Schritt näher. Dazu brauchen wir als Menschen und als Kirche auch eine gesunde Portion Kritikfähigkeit. Das Ziel eines solchen Gespräches sollte die Akzeptanz und das Verständnis untereinander sein und nicht in erster Linie, dass der Andere wieder in den Gottesdienst kommt. Wenn erst einmal wieder ein positiver Kontakt zum Nächsten hergestellt wurde, muss dieser Kontakt ständig neu mit Leben (Gesprächen) erfüllt werden dann ergibt sich alles andere von selbst.

Überall dort wo die Gesprächskultur im besten Sinne des Wortes noch verbessert werden kann, sollte alles daran gesetzt werden Fortschritte zu erzielen. Nur wenn es gelingt, in ständigen Gesprächen Grundlagen für ein stabiles Miteinander zu legen, werden wir eine lebendige Gemeinschaft begründen.

BP 2005-09-15 (hw)            

 

 

 

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