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1 Jahr später

Am 04.12.2007 verkündigte die Neuapostolische Kirche in einer Satellitenübertragung aus Zürich ihre Sichtweise zum Zeitabschnitt 1938 – 1955 und ein „geschärftes“ Selbstbild.

Im Vorfeld dieses Abends hatte ich sehr positive Erwartungen. In mir lebte die Hoffnung, dass nach vielen Jahren des Verdrängens und des Schweigens endlich ein Bekenntnis zur Schuld, und eine Entschuldigung für die zu Unrecht ausgeschlossenen und ausgegrenzten Geschwister ausgesprochen werden könnte.

Dann kam das böse Erwachen.

Es war meine Kirche, der ich mein ganzes bisheriges Leben gewidmet hatte, die angebliche Tatsachen verkündigte, die aber, selbst bei oberflächlichster Geschichtskenntnis, als Verdrehungen, Lügen und Halbwahrheiten zu entlarven waren. Meine Kirche, die sich selbst als „Gottes Werk“ bezeichnet, arbeitete mit teuflischen Methoden – Lüge und Verleumdung.

Der große Protest, auch aus den Reihen der aktiven Neuapostolischen, führte schließlich im Laufe des vergangenen Jahres dazu, dass einige Entschuldigungs- und Wiedergutmachungsversuche unternommen wurden. Da aber die Verkündigungen vom 04.12.2007 weder revidiert, noch in irgendeiner Form und Weise zurück genommen wurden, konnten alle Erklärungen nur als Augenwischerei deklariert werden.

Nach einigen Tagen der Schockstarre schrieb ich Stammapostel Leber von meinem Empfinden. Seine Antwort war kurz und für mich völlig unbefriedigend.

Am 15.01.2008 erklärte ich vor dem Amtsgericht meinen Austritt aus der Neuapostolischen Kirche.

Heute - nach einem Jahr - möchte ich vor allem Gott und Jesus Christus danken, dass ich zu der Erkenntnis kommen durfte, dass die NAK nicht Gottes Werk sein kann. In diesen Dank möchte ich auch ausdrücklich die Kirchenleitung der NAK einbeziehen, dass sie mir durch ihren Informationsabend die Augen geöffnet  hat für das was nicht christlich in dieser NAK ist.

Seit Januar dieses Jahres gehe ich regelmäßig in die Gottesdienste der Evangelischen Landeskirche. Dort durfte ich erleben, was es heißt als Christ angenommen zu werden. Die Freiheit im Glauben und die Freude an der frohen Botschaft begeistern mich jeden Sonntag auf‘s Neue.

Der Protestantismus ist offensichtlich ein rotes Tuch für die NAK. Es wird immer wieder darauf hingewiesen, dass dort der Glaube an Jesus Christus schwindet. Das Wiederkommen des Herrn wird dort nicht gelehrt. Die Pastöre tun nur ihren Job, sie sind keine wahren Hirten der Herde Christi und manches mehr. Als ich vor einiger Zeit mit meiner Frau mal wieder einen Gottesdienst in der NAK besuchte, fragte mich nach den GD der Dienstleiter, „…glauben die denn auch an die Wiederkunft Christi?“ Als ich ihm sagte: „Selbstverständlich glauben die an die Wiederkunft Christi!“ war er ganz erstaunt, denn er hatte mit einer anderen Antwort gerechnet.

Die NAK Grenzen – nur wir sind das auserwählte Volk – haben im wahren Christentum keinen Platz. Ein Lied im Evangelischen Gesangbuch beschreibt das wunderbar. Dort heißt es im Lied 267 im 5. Vers

Dein Volk ist nicht unsere Kirche,

unsere Konfession allein,

denn dein Volk, Herr, ist viel größer.

Brich mit deinem Reich herein!

Erst wenn die NAK zu einer solchen Einstellung finden würde und den Mut hätte ein solches Lied in ihrem Gesangbuch zu veröffentlichen wäre sie auf dem Weg zu einer wahrhaft christlichen Kirche.

Ich würde mir und allen meinen Geschwistern wünschen, dass solches morgen geschieht, aber ich befürchte, ich werde es nicht mehr erleben.

04.12.2008 (BP)  hw

 

 

 

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